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Sehnsucht im Gepäck

Bild vom Buchcover

Schumacher, Hans-Jürgen
EDITION GET UP & SHINE
ISBN 3-934355-02-1
DM 28,-

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Dieses Buch erschien 1999/2000. Es ist nach vielen Lyriksammlungen und Kurzprosawerken der erste Roman des Autors und wurde unterstützt von der RSK Greifswald sowie dem JugendMedien Greifswald e.V. z.Z. laufen ständig Lesungen aus dem Werk. Info: Zita Mörke.

Zum Inhalt:
Klaus kommt über IHREN Abschied von ihm nicht hinweg und quält sich und andere damit..., Inka, die vollbusige Rockerin, sehnt sich heimlich nach einem bürgerlichen Leben..., Erich hat Höhenangst und sucht verzweifelt nach dem Grund für seinen Karriereknick..., Konrad, genannt der "Kreischer", verliebt sich verbotenerweise in Schwester Doreen, und Heinrich Hübenbacher, jener "Jesusmarx", praktiziert ein neues Gesellschaftsmodell ein Zusammenleben ohne Sieger und ohne Neid - welches später wie ein Kartenhaus zusammenbricht, indes die bulimiekranken Models der psychosomatischen Abteilung ihre Anerkennung verzweifelt in verschiedenen Partnerschaftsbeziehungen suchen...
Sie alle haben eines gemeinsam: den mehr oder weniger erfolgreichen Kampf gegen die Alkoholkrankheit und andere Süchte und um ein kleines Feld von Glück und Zufriedenheit - sie haben "Sehnsucht im Gepäck".
Indes brechen in der Ärzteschaft Grabenkämpfe um den Posten des Chefarztes aus. Und plötzlich steht auch ein Teil der Klinik in Flammen...
Die Gesellschaft "draußen" hat ganz andere Sorgen...

Rezension: Alkoholismus. Krankheit, Sucht. So mancher macht einen weiten Bogen um dieses Thema egal ob betroffen oder nicht.
Hans-Jürgen Schumacher hat daraus einen Roman gemacht. "Sehnsucht im Gepäck" heißt er. Der Greifswalder Autor stellte ihn am Mittwoch abend bei einer Lesung im Haus der Arbeiterwohlfahrt vor.
Das Buch schildert die Erlebnisse von Patienten in einer fiktiven Klinik, ist aber "so wahr wie das Leben selber", meinte Schumacher. Hauptfigur Klaus Kruse, Alkoholiker, wird eingangs von einem Freund zu einem Aufenthalt in dieser psychosomatischen Fachklinik gefahren. "Auf dem Weg in die Höhle des Löwen" bekämpft er das Sodbrennen schnell noch mit einem Schluck aus der Pulle. Der Alkoholiker hat dann auch 0,9 Promille intus, als ihn Aufnahmeschwester Jana pusten lässt. Zwei Kapseln und die Hausordnung gibt's daher zur Begrüßung.
Der Klinikaufenthalt ist für Menschen mit Alkoholproblemen kein Zuckerschlecken. Als erstes drei Wochen Kontaktsperre, selbst die Raucherinsel ist außerhalb des Klinikgeländes.
Nach der Eingewöhnung geht's in die Wohngruppen. Jeweils zwölf Patienten teilen sich Zimmer und gemeinsame Wohnküche. Schicksale prallen aufeinander. In Kruses indikativer Angstgruppe ist ein buntes Häuflein versammelt. Da ist die Rockerin mit der Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben. Da ist der Typ vom Bau mit Höhenangst und Karriereknick. Da ist Jesus Marx mit seinem Tick vom völlig neuen Gesellschaftsmodell. Mit kleinen Geschichten schilderte Hans-Jürgen Schumacher ihr Bemühen um "ein kleines Feld von Sehnsucht und Zufriedenheit."
Bisweilen hörte es sich sogar lustig an. Wenn Patientin Gudrun, bisher nur ihr Dorf, den Stall und die Flasche gewöhnt, zum Arzttermin in die große Stadt fährt. Sicherheitshalber nimmt sie mit Rainer (Ex-Rausschmeißer, ein Schrank) einen anderen Patienten der Klinik mit. Der Dermatologe staunt nicht nur deshalb. Patientin mit Bodyguard. Auch die Hautprobleme entpuppen sich als Nervenreizung wegen der dauerhaften Abstinenz.
Seiner Kumpeline Gudrun kann Rainer bei diesem Gang helfen. Sich selbst später weniger. Nach dem Klinikaufenthalt will er ein neues Leben beginnen. Der Mallorcaflug mit der Freundin ist gebucht. Auf dem Bahnhof erwartet er sie. Wenn die Werbung nicht wäre. Der Blick auf ein Model, das genüsslich Weinbrandbohnen verzehrt, ist zuviel für ihn. Rainer erliegt der Werbebotschaft. Stopft erst eine Schachtel Weinbrandbohnen in sich hinein. Zwei Flaschen hochprozentigen Kirschgeistes folgen. Als die Freundin auf dem Bahnhof eintrifft, deckt der Notarzt gerade ein Laken über Rainers blasses Gesicht.
Klaus Kruse hat da mehr Glück, kommt mit dem Leben ohne Alkohol besser klar. Zu seinem Abschied aus der Klinik toben die anfangs mißtrauisch-scheuen Patienten der indikativen Angstgruppe 13 ausgelassen beim Wasserball.
Ein kontroverser Roman über ein brisantes Thema. Hans-Jürgen Schumacher spart die Probleme nicht aus, die Alkoholkranke haben. Schon das Aufstehen am Spätvormittag bedeutet Stress. Da ist ein Klinikaufenthalt mehr als eine Umstellung. Leben im Brennglas. Dort, wo man nicht weglaufen kann.
Die Reaktionen Betroffener auf dieses Buch seien fast überwiegend positiv gewesen, erzählt Hans-Jürgen Schumacher. Wichtig wäre für die Patienten, auch nach der Klinik Unterstützung zu bekommen. Der Rückfall droht.
Viele Fragen beantwortete der Mann vom Greifswalder Literatursalon an diesem Abend. Noch einmal wird er in diesem Jahr nach Grimmen kommen dann für eine Lesung vor Schulklassen. Peter Schlag, Ostsee-Zeitung Grimmen

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